bei Grünheide
Dort, wo der US-amerikanische E-Auto-Hersteller Tesla seine erste Giga-Factory auf europäischen Boden realisiert, dokumentiert das Künstlerkollektiv Neue Langeweile im Rahmen eines Langzeitprojekts, wie sich der Ort, der Topos, hier durch die Baumaßnahmen verändert. Die Fotos zeigen dabei keine Architektur im eigentlichen Sinne, sondern vielmehr die archaische Grundlage jeglichen Bauens: die Rodung. Otto Friedrich Bollnow weist mit Bezug auf Grimms Deutsches Wörterbuch auf die wortgeschichtlichen Ursprünge des Wortes „räumen“ hin: „Einen Raum, d.h. eine Lichtung im Walde schaffen behufs Urbarmachung oder Ansiedlung“. Maschinell wird auf den Bildern der märkische Kiefernwald gerodet, das Land für den Bau vorbereitet, wo dereinst bis zu 500.000 Fahrzeuge jährlich vom Band rollen sollen. Hier entsteht Raum. „Raum“, schreibt Bollnow, „in diesem ursprünglichen Sinne ist also nicht an sich schon vorhanden, sondern wird erst durch menschliche Tätigkeit gewonnen, indem man ihn durch Rodung der Wildnis (die also nicht Raum ist) abgewinnt. Zu sehen ist Kiefernwald, in den teilweise bereits große Schneisen getrieben wurden, Straßen, Verkehrsschilder, große Baumaschinen, ganz vereinzelt sogar Menschen und viel Himmel. Was man nicht sieht, ist Architektur im einem uns vertraut wirkenden Sinne. Umbauter Raum. Und doch zeigen die Bilder, Raum in dem von Bollnow angeführten archaischen Sinne. Hier, in Grünheide, wird etwas eingeräumt werden. Etwas, das die Zukunft des Ortes maßgeblich beeinflussen wird, was zum jetzigen Zeitpunkt aber noch reichlich unabsehbar ist. Ergänzt wurde die Serie schließlich um jene Form des Bauens, der das Deutsche Architekturmuseum von September 2023 bis Januar 2024 eine eigene Ausstellung widmete: Protestarchitektur. In den Bäumen, die gefällt werden sollen, sind sie eingenistet, in luftiger Höhe schweben Architekturen der Auflehnung.